persönlicher Blog

Wer ist eigentlich Happy?

Man könnte meinen, mein neuer Blogpost könnte auf die persönlichen Befindlichkeiten einzelner Leser abzielen. Weit gefehlt 😉 Jeder aufmerksame Leser, der nicht nur diesen Artikel liest, hat schon mitbekommen, das zu uns noch eine große schwarze Begleitung gehört. Happy! Happy ist ein “Schwarzer russischer Terrier”

Wir haben Happy seit Dezember 2016

Damals ist unser Paul, auch ein schwarzer Russe, über die Regenbogenbrücke gegangen. Paul war ein Seelenhund, vor allem von Thomas. Dazu muss man wissen, dass sich die Russen in der Regel, eine Bezugsperson aussuchen. Die Familie, also das Rudel ist heilig, aber eben einer ganz besonders Eigentlich kann man keinen Schritt alleine machen. Sie sind immer an einem. Leise und nicht störend, aber eben bei einem. Paul hatte leider Krebs und im Alter von 9 Jahren mussten wir ihn leider gehen lassen.

Wenn man sich nun vorstellt, das vorher 9 Jahre immer einer bei einem war, Sthl nach hinten Rücken, Achtung Hund, etwas aus dem Garten holen, der Schatten folgt, die Tür klingelt, Paul bellt, wir haben eine etwas meinungsstarke Diskussion, Paul kommt und legt den Kopf auf Hand, Arme, Bauch…. alles ganz normale Alltagssituationen und auf einmal: NICHTS….

kein leises schnarchendes Geräusch, nichts liegt hinter einem, keiner folgt… Es entsteht eine unglaubliche und sehr unangenehme Ruhe. So ruhig, dass man selbst regelrecht ausbrechen will. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Jeder geht sicher anders mit Trauer um und ich kann euch sagen, Thomas hat schwer getrauert und ich fürchte, wenn er selbst später diese Zeilen liest, wird sicher auch heute noch, eine Träne kullern.

Aber wir waren uns zum Glück einig,

die Ruhe ist unerträglich und was uns jetzt am besten hilft, ein neuer Begleiter. Wir wollten eigentlich wieder einen Welpen bei uns aufnehmen und suchten die entsprechenden Foren ab, um zu sehen, wer hat demnächst einen Wurf schwarzer Terrier. Einige Züchter schlossen wir aus, Russen sind toll, keine Frage, aber nicht einfach.

Liebe Leute an dieser Stelle, eine Herzensangelegenheit: bitte überlegt gar nicht erst, so eine Rasse anzuschaffen, wenn ihr nicht wirklich Ahnung habt und bereit seid, trotzdem weiter zu lernen, zu lesen und euch zu entwickeln. Ihr habt da mindestens 50 kg Hund, die aus Rassen zusammengezüchtet wurde, die alle nicht ohne sind. Und der Mix macht es. Falls mich gleich einige hier steinigen und sagen, quatsch der ist doch ganz lieb, ein Familienhund…

Ja, kann auch mal passieren, aber in den auch nur ansatzweise falschen Händen, wird der Russe eher zur unkontrolierbaren Waffe, als zum netten Schoßhund. Und raus kommt dann unser Nachfolger(in). Ihr offizieller Name Happy-Masha vom Kellergeist. 2011 geboren, konnte sie die ersten Jahre ihres Lebens, ihren Namen leider nicht zum Programm machen.

Als Welpe

kam sie zu einem Polizisten nach Berlin-Spandau. Schon seine damalige Aussage bei der Züchterin, hätte sie eigentlich aufhorchen lassen müssen. Er wollte einen großen starken Hund zu seinem Schutz. Er wohne ja in Berlin und gerade in seiner Wohngegend würde es immer gefährlicher werden, da bräuchte er eine adäquate Begleitung. Gut, wenn man sich gar nicht in Berlin auskennt, mag man das so hinnehmen.

Wir selbst hatten mal eine Ferienwohnung in Berlin Spandau. Eine Paralellstrasse entfernt. Zufälle gibts… Jedenfalls, wenn es in Berlin irgendwo sicher ist, ruhig, gute Wohngegend – weiß ich nicht, was er meint bzw. vorhatte.

Immerhin ging er regelmäßig zum Hundeplatz. Er brachte ihr, das merken wir noch heute, sämtliche Komandos bei, die sie sicher abrufen kann, wenn man ruhig und gelassen bleibt, in jeder Situation. Wird man allerdings energischer, versteift der Hund und spätestens jetzt sollte man sich klar sein, welche Bewegung man noch macht. Zumindest damals, al wir sie bekamen.

Auf dem Hundeplatz wurde wohl weiter “geübt”

Grundkomandos reichten längst nicht mehr, Happy sollte “scharf” gemacht werden. Sie war ihm ständig zu “lasch” zu ängstlich… Ja hätte man sich länger mit dem Züchter beschäftigt, wüsste man, das Happys Mutter schon als Angsthund bekannt war.

-Ich weiß bis heute nicht, warum man damit dann züchtet, manchmal zählt eben nicht nur Körperbau und Angsthunde in der Größe, können unberechenbar werden, aber….

sie züchtet heute keine schwarzen Terrier mehr. Nach Riesenschnauzer und eben Russen, hat sie sich heute den nächsten vermeintlichen Modehund ins Visier genommen… wers mag. Immerhin hat sie dem damaligen Besitzer öfter gewarnt, lass gut sein, die ist doch toll, sie hört so gut usw.

Sie übernahm für den Besitzer weiterhin die Fellpflege bzw. das scheren und trimmen von Happy, deshalb hatten sie regelmäßigen Kontakt. Nach vier Jahren muss dann der befürchtete Umkehrschluss passiert sein. Happy wehrte sich.

Kein Besuch konnte mehr in die Wohnung, sie pöbelte alle Menschen an, ging auf sie zu und griff sie an. Tja, jetzt hatte er seinen scharfen Terrier und wurde nicht mehr Herr der Lage. Was macht man, der Gang zum Tierarzt stand an. “Bitte einmal totspritzen, ich komme nicht mehr klar”!

Es gibt zum Glück gute Tierärzte!

Er war zumindest soweit gut, dass er nickte, Happy nahm und das Herrchen wegschickte. Er rief die Züchterin an, hier bekommt sie wieder ein Sympathiepunkt von mir, diese setzte sich ins Auto und holte Happy ab. Bzw. versuchte es.

Der Tierarzt hatte in der Zwischenzeit seine Praxis verlassen, Happy an den Behandlungstisch gebunden und war verschwunden. Sie konnte durch einen Hintereingang rein und versuchte sich ihr zu nähern, was anfangs misslang, weil sie sich natürlich aggresiv zeigte.

Ich bin mir nicht sicher, ob folgende Geschichte stimmt, die die Züchterin mir nun erzählte, vielleicht mag ja mal Jemand im Kommentarfeld seine Erfahrung schreiben 😉 : Es gibt wohl Züchter, die ihre Welpen auf ein bestimmtes Wort in den ersten Lebenswochen prägen.

Ein ungewöhnliches Wort, so dass die Hunde es nicht ständig im späteren Leben von anderen Menschen hören. Wenn man nun später seinen früheren Welpen schnell erkennen möchte, spricht man im gleichen Ton dieses Wort aus, auf das der Welpe ursprünglich geprägt war.

Angeblich erkennen dann die Welpen das sofort und kommen auf einen, in diesem Fall völlig argressionlos, auf einen zu. Gut, es scheint ja irgendwie funktioniert zu haben… Happy lebt!

Zurück bei der Züchterin,

wurde ein neues Zuhause für Happy gesucht. Nicht nur die Züchterin suchte im Bekanntenkreis, sondern sie schaltetete auch die Betreiber von “Schwarzer Terrier in Not” ein. Hier sahen wir damals das Profil von Happy das erste Mal und hatten schon das erste Mal überlegt. Allerdings, Paul lebte, unser Seelenhund und wie toll er auch war, er war auch sehr “besitzergreifend”. Hunde? Was hat er damit zu tun? Er war priviligiert 😉 meinte er…. ne, Spaß beiseite, er war eher der Einzelgänger, ein stolzer und stattlichr Rüde, der mit seinesgleichen nichts am Hut hatte. Spielen? Ja, Ball und Fährtenspiele, aber mit anderen Hunden? Langweilig…

Wir hätten gern geholfen, entschieden uns aber zugunsten von Paul dagegen. Happy kam in eine Familie mit einem weiteren “Russen”. Unter anderem im Gepäck , einige Ratschläge. Ängstlicher Hund, der auch aggressiv werden kann, bitte nur erfahrene Halter, keine Kinder und ganz wichtig: NICHT KUSCHELN!!!!

Ok, das ging mit ach und krach ein dreiviertel Jahr gut, dann musste sie wieder weg. Wieder sehr liebe Menschen, die glauben, alles retten zu müssen, ohne sich mit der Thematik und der eigenen Leistungsfähigkeit auseinander setzen zu können.

Sorry Leute, da bin ich gnadenlos… Tiere retten, heißt nicht einfach holen und ein vermeintlich schönes zu Hause zu schenken. Man muss sich damit aueinander setzen, was mache ich mit dem Tier, wie kann ich eine “Umprogrammierung” des seit Jahren falsch erlernten vornehmen etc. Happy musste von dieser Familie weg, weil sie doch meinten, ach so ängstlich, da muss ich ganz lieb sein und kuscheln, das hat sie doch nie bekommen… was ist passiert?

Erst hat sie den langjährig vorhandenen Rüden massiv gemoppt und dann beim “kuscheln”? Happy schnappt gezielt in den Kopf und zwar mit dem gesamten Maul! Zur Beruhigung sei gesagt, sie hat zum Glück eine enorme Beißhemmschwelle. Heißt, wenn der Kopfschnapper kommt, ist es nie zu ernsthaften Verletzungen gekommen. Sie reißt in Millisekundenschnelle ihren Kopf Richtung Menschenkopf, dieser wiederum wird fast vollständig “ins Maul” genommen, aber nicht zugebissen.

Aber seid mal ehrlich, 1.) der Schock sitzt tief nach so einem Moment und 2.) die Gefahr ist trotzdem riesig. So ein Russenzahn im Auge, braucht auch keiner.

Die Familie gab auf

und die Plattform “Schwarzer Terrier in Not” wurde wieder eingeschaltet. Happy musste schnell weg, kam somit leider auf eine unkontrollierte Pflegestelle. Wieder online gestellt, hab ich sie entdeckt. Das war 2016, Paul war tot, wir litten unter dieser abartigen “Ruhe” und hatten uns eigentlich schon über einen möglichen Welpenkauf geeinigt. Happy-Mascha, eine Hündin, inzwischen 5-jährig… alles Kriterien, die wir so gar nicht wollten.

Erst Recht nicht bei dieser Rasse. Nicht missverstehen, wir lieben die Rasse, wir haben auch gerde für diese Rasse das perfekte Umfeld, aber bitte, einen Welpen, den wir so erziehen und auch ein wenig noch prägen können, wie wir uns diese Hunde vorstellen. Thomas wollte außerdem nie eine Hündin! Auf gar keinen Fall!

Nach einigen Diskussionen, Anrufen bei Annette (“Schwarzer Terrier in Not”) und der Erkenntnis, ok gerade solche Hunden können wir auch gerecht werden und gerade Happy hätte es verdient, eine Chance zu bekommen, verabredeten wir uns. Wie berichtet, handelte es sich auf Grund von einer extremen Notsituation. um eine ungeprüfte Pflegestelle. Also haben wir mit Annette abgesprochen, ok wir fahren da mal hin und gucken uns diese Pflegestelle einmal an. Wieder ein Zufall, die Pflegestelle war nur rund 50 Kilometer von uns entfernt.

Dezember, 16.00 Uhr schon dunkel,

ein kleines Dorf, schlechte Beleuchtung. Haus gefunden, leider keine Klingel am Zaun, also ab auf das Grundstück. Vorabinfo war, eine Familie mit zwei Kindern und 4 weiteren Hunden und Happy (inkl. ihrer Geschichte). Ein wenig mulmig ist einem da schon, wenn man so ein Grundstück betritt ohne sich bemerkbar machen zu können. Nach ein wenig suchen, fand ich den Hauseingang und wir klingelten. Wildes Gebell ertönte nahtlos…. eine Frau mit Happy an einem Kettenhalsband haltend, öffnete uns. Happy tickte ordentlich aus!

Begrüßung oder auch nur ähnliches waren nicht möglich. Durch die neben der Tür befindliche Glasscheibe, erspähte ich einen Esstisch mit Stühlen und bat die Frau, Happy festzuhalten und ob wir uns erstmal setzen können. Unsere Taschen waren mit reichlich Leckerlis gefüllt und die Russen neigen dazu, wenn jemand im Wohnraum sitzt, diesen zwar mit Argwohn zu betrachten, aber nicht anzugreifen. Ich hoffte inständig, das dies auch auf Happy zutrifft.

TREFFER!!!!

Jetzt reagierte sie eher ängstlich, nahm keine Leckerlis und beäugte uns zurückhaltend. Die Pflegedame holte zur Unterstützung eine weitere Hündin, die auch Happy etwas auftauen ließ. Unser anschließendes Gespräch wurde etwas kurios.. eigentlich wollte sie Happy nicht mehr abgeben.

Es folgten Behauptungen und andere Merkwürdigkeiten, so dass Thomas und ich uns mit stummen Augenblicken schnell einig waren, Happy kann hier nicht bleiben. Nächste Schwierigkeit, wie nehmen wir sie mit? Thomas fackelte nicht lange, nahm die mitgebrachte Leine und klickte sie im Kettenhalsband ein. Happy beantwortete diese Aktion mit einem ebenfalls nicht lang gefackelten Schnapper in seine Hand.

Dank der Beißhemmschwelle, ohne Verletzung überstanden! Dank Pflegedame hatten wir folgende Beschreibung im Gepäck: steigt nicht ins Auto, ist nicht stubenrein, geht nicht an der Leine, hört nicht auf ihren Namen etc. Nun gut, keine Ahnung warum sie das erzählte, Fakt ist, sie ging brav mit, stieg ins Auto und weckte uns in der ersten Nacht um 4.00 Uhr, weil sie mal raus musste….

Unser bereits gebuchter Urlaub wurde storniert

(DomRep), wäre ja nicht Happygerecht. Stattdessen buchten wir unseren Weihnachtsurlaub auf Sylt. Viel Strand, viel Gegend, viele Möglichkeiten unseren Hund kennenzulernen. Spätestens hier merkten wir, es ist nicht Hopfen und Malz verloren. Da geht noch was und ganz wichtig, wir schworen uns, endlich ihren Namen zum Programm zu machen.

Wieder zurückgekommen,

forschte ich in Happys Vergangenheit und versuchte so viel wie möglich über sie und auch ihre Vorfahren, Aufwuchsbedingungen etc. herauszufinden. Nur deshalb kann ich hier so ausführlich berichten. Trotzdem bekommen wir natürlich nicht all ihre Schlüsselerlebnisse zusammen. Es gibt schlimme Vermutungen, die aber hier nicht thematisiert werden sollen, es sind eben “nur” Vermutungen, auf Grund ihres Verhaltens. Ja, auch wir haben anfangs ihre Distanz überschritten und hatten beide, Thomas und ich, selbst Ulrike diese Kopfschnappererlebnisse. Thomas und ich 2x, Ulrike 1x.

Eindeutig, es war unser Fehler. Das heißt nicht, das Happy das darf, aber einen traumatisierten und überforderten Hund im besten Alter zu übernehmen, heißt, hineinhorchen, um etwas zu ändern. Wenn wir dazu nicht in der Lage sind, versagen wir und provozieren zu Fehlverhalten.

Heute, fast drei Jahre später,

haben wir vieles im Griff. Happy versteht sich gut mit Hunden, wobei, sie akzeptiert andere Hunde, für Spiele mit anderen Hunde, ist auch sie nicht zu erwärmen. Menschenbegegnung außerhalb unseres Grundstücks, kein Problem, alles was vermeintlich ihr gehört bzw. in ihrem Schutzbereich unterliegt, ist unsere Konzentration gefragt. Es funktioniert, wenn man einige Dinge beachtet. Links neben ihr liegt übrigens “Pauli”. Auch ein “geretteter” Hund aus Portugal, von Ulrike und ihrem Freund Sören.

Abschließend,

wir lieben unsere Happy!!! Und würden sie nie wieder hergeben. Ich denke auch, dass wir es inzwischen geschafft haben, aus ihrem Namen Programm zu machen. Sie ist angekommen. Es gibt weiterhin ein paar Baustellen, aber die können wir kompensieren. Ja, sie ist nicht unser Seelenhund, den hat man wahrscheinich auch nur einmal im Leben. Aber sie ist so ein toller Hund und uns tut am meisten weh, dass wir nicht die Chance hatten, ihr von Anfang an, ein tolles Hundeleben zu schenken.

Gerade die letzten beiden Kurztrips,

bei denen Happy natürlich nicht fehlen durfte, haben noch einmal eine deutlich, positive, Veränderung gebracht. Camping ist für Happy auch eine Chance, noch dichter an ihre Menschen zu rücken. Was gleichzeitig bedeutet, Vertrauen zum Menschen. Das ist ja auch für sie eine komplett andere und veränderte Situation. Das hätte sie früher einfach nur verunsichert. Heute ist sie zwar auch noch misstrauisch, aber wir sind bei ihr und das ist ihr wichtig.

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